Newsletter 16 - Varroafalle - zweite Untersuchung

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bee
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Newsletter 16 - Varroafalle - zweite Untersuchung

#1

Beitrag von bee »

Varroafalle zweiter Teil

Weiterfrührende und äußerst interessante Beobachtungen, wie sich kleinzellige Bienen gegen die Varroamilben aus eigener Kraft zur Wehr setzen. Diese zweite Untersuchung zeigt wie schnell doch die kleinzelligen Bienen die Varroaproblematik in den Griff bekommen können, wenn man ihnen die nötigen Voraussetzungen schafft.

Nun hab ich genau nach einem Monat denselben Stock wieder untersucht.
Hier ist die erste Untersuchung zu sehen.

Situation:
Es war 2 Wochen lang sehr windig und die Bienen konnten weniger fliegen. Doch der Stock verfügte über große Futterreserven, weswegen die Brut uneingeschränkt weiter ging.

Ich untersuchte genau dieselbe Wabe wie beim letzten Mal.

In der Bienenbrut fand ich einige geöffnete Zellen durch das hygienische Verhalten.
In 40 geöffneten Bienenbrutzellen fand ich keine Varroa.

Bild

Dann öffnete ich wieder 86 Drohnenbrutzellen mit violetten Puppenaugen :

Bild

Ich fand zum einen
  • eine Zelle mit 4 Varroen und nur einem männlichen Nachkommen
zum anderen
  • zwei Zellen mit jeweils einer toten Varra und keinen Nachkommen
  • zwei Zellen mit jeweils einer Varroa ohne jegliche Nachkommen
  • eine Zelle mit 2 Varroen ohne jegliche Nachkommen
  • eine Zelle mit 7 Varroen und einer toten Varroa und ohne jegliche Nachkommen
Das heisst dass sich diese 18 Varroen nicht fortpflanzten und daß das VSH nun in Erscheinung tritt.

70 Drohnenbrutzellen von 86 waren ohne Milben und in den restlichen 9 infizierten Zellen fand ich folgende erwachsene Varroen, männliche Nachkommen und folgendes:
  • 1 Zelle mit 1 Varroa und 1 weiblichen Nachkommen
  • 2 Zellen mit 1 Varroa und 2 weiblichen Nachkommen
  • 2 Zellen mit 2 Varroen und 1 weiblichen Nachkommen
  • 1 Zelle mit 2 Varroen und 2 weiblichen Nachkommen
  • 1 Zelle mit 3 Varroen und 1 weiblichen Nachkommen
  • 1 Zelle mit 4 Varroen und 1 weiblichen Nachkommen
  • 1 Zelle mit 4 Varroen und 3 weiblichen Nachkommen
Das heisst dass ich insgesamt 38 Varroen in den 86 Drohnenbrutzellen fand und nur 14 weibliche Nachkommen.
von diesen 38 Varroen waren aber 14 die überhaupt keine Eier legten oder tot waren.

bei der letzten Untersuchung vor einem Monat waren es 51 Varroen in den 86 Drohnenbrutzellen und 37 weibliche Nachkommen

Die beim letzten Mal gefundene Mehrfachbesetzung von Drohnebrutzellen bis zu 5 Varroen pro Zelle steigerte sich nun auf 8 in einer Zelle und vor allem legten diese überhaupt keine Eier.

Die Erklärung für dieses Verhalten:
Es ist klar dass dies über das Juvenile Wachstumshormon JGH im Futtersaft der Bienen gesteuert wird. Schon Prof Ruttner und Königer erwähnten dies vor vielen Jahren und in diesem Buch wurde auch darauf hingewiesen, schon in den 80er Jahren:
Al Dietz, and Henry Hermann "Biology, Detection and Control of Varroa jacobsoni": A Parasitic Mite on Honey Bees

Dee Lusby:
Es wurde Anfang der 1980-er Jahre von Forschern gezeigt, daß Milbenvermehrung von der physiologischen Situation der befallenen Bienenlarve abhängt. So bestimmt das Wachstumshormonlevel, ob ein weibliche Milbe Eier legt nach ihrem ersten Blutmahl (Hämolympheaufnahme). In der westl. Honigbiene, A. mellifera, hat das Blut sowohl der Drohnen- als auch der Arbeiterinnenlarva ein relativ hohes JGH Niveau zur Zeit der Verdecklung der Zelle. Bei der asiatischen A.cerana Biene ist dieses JGH Niveau der Arbeiterinnenlarve zur selben Zeit wesentlich geringer. Deshalb wählt die Milbe eben auch die Drohnen als Ihr Opfer aus.
Und vor allem wird durch das Blutsaugen vieler Varroen an derselben Bienenpuppe, der Wachstumshormonlevel in der Puppe derart gesenkt, daß die Varroen keinen Anreiz zur Eiablage mehr haben.

Die Frage die immer noch bleibt:
Warum überhaupt gehen mehrere Varroen in dieselbe Drohnenbrutzelle, obwohl es klar ersichtlich ist daß sie sich dort nicht vermehren können?
Da müssen wir weiter nachforschen
:wink:

hier können wir darüber diskutieren:
http://forum.resistantbees.com/viewtopic.php?f=79&t=390


liebe Grüße
bee

ResistantBees.es

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